Mittwoch, 20. März 2019

Die Sage vom Kaiser Karl im Karlsberg

In einer alten Sage, so R. Roland, sitzt der Kaiser Karl seit langer, langer Zeit in einem sagenhaften Berge, dem Karlsberg, der irgendwo in Fürth sein soll. Dort hockt er auf seinem Thron, umgeben von seinen treuesten Kämpen und erwartet das Weltende, bzw. die Zeit kurz davor, um dann aufzustehen, den Berg zu verlassen, und das Volk dann noch schnell in eine neue große Zeit zu führen. Zwischen Nürnberg und Fürth währt, wie jeder Franke weiß, seit ebenso langen Jahren eine gewisse Rivalität. So ergab es sich in früheren Zeiten, dass der Rat der Stadt Nürnberg unbedingt wissen wollte, was an der Karlsberg-Geschichte dran ist. Aufgrund der erwähnten Rivalität konnte man nun aber wegen der besagten Fehde schlecht nach Fürth hinüberreiten um dort anzufragen und im Rahmen der Amtshilfe um abschließende Klärung bitten. Wie es nun eine schöner Zufall oder die Vorsehung wollte, war ebenso aus alten Geschichten zu entnehmen, dass im Tiefen Brunnen auf der Nürnberger Kaiserburg ein Stollen beginnt, der in eben diesen Karlsberg hineinführen soll. Der Stadtrat zu Nürnberg war zu allen Zeiten immer gut darin, andere eine wichtige Arbeit machen zu lassen. Daher beriet man sich kurz, und entschied dann, was man tun wollte: Im Kerker hockte zu dieser Zeit ein armes Männla, das aufgrund irgendeines harmloseren Kapitalverbrechens zum Tode verurteilt gewesen war (Das muss also noch vor der Erfindung der Menschenrechte gewesen sein. Anm. d. Verfassers R. Roland). Die feinen Ratsherren ließen also diesen Burschen anschleppen und sagten ihm: „Höre! Wir geben dir eine feine Möglichkeit, dich zu bewähren und deine Todesstrafe in lebenslange Haft im Turm bei Wasser und Brot umzuwandeln. Alles, was du tun musst, ist dich in den Tiefen Brunnen hinunterseilen zu lassen und von dort unten aus einen kleinen Spaziergang in den Karlsberg in Fürth zu unternehmen und zu prüfen, ob es stimmt, dass dort unser guter Kaiser Karl sitzt und das Weltende erwartet. Kommst du lebendig zurück, soll dir Gnade widerfahren. Was meinst du?“
Das Männla hat natürlich nicht lang überlegen müssen, und so kam man denn überein. An einem schönen Freitagvormittag führte man den Mann zum Tiefen Brunnen hin und ließ ihn an einem dicken Kälberstrick in den, seinem Namen entsprechend, wirklich sehr tiefen Tiefen Brunnen hinab. Unten war's finster, wie man glauben kann, aber der Verbrecher wusste, dass er nur diese eine Chance hatte. So zündete er sich denn die einzige Kerze an, die ihm die Obrigkeit mitgegeben hatte, und stapfte los, durch das knietiefe Wasser in die Dunkelheit hinein.

Nach einer Zeit erreichte der Nürnberger Galgenvogel auch tatsächlich das Ende des Tunnels und er sah dort eine große, hölzerne Tür, die eigentlich fast schon ein Tor war. Diese öffnete er vorsichtig und trat in eine Halle. Ach, was sah unser Mann dort? Eine hohe Halle, voller Silber, Gold und Edelsteinen. Und an ihrem Ende saß auf einem steinernen Throne, wie es in den alten Geschichten auch erzählt wird, der Kaiser Karl, mit langem weißem Bart, umgeben von seinen treuesten Rittern, Kaiser wie Ritter in tiefen Schlaf versunken. Da dachte sich unser fränkischer Gauner, wenn er hier schon sein Leben riskierte und als Dank dafür nur minimale Erleichterung seines Urteils zu erwarten habe, so wollte er sich wohl an dem Schatz bedienen. Ein kleines Edelsteinchen würde niemand bemerken, und er könnte dann, wenn die nächste Besuchszeit im Kerker da wäre, seiner Frau durch die eisernen Stäbe hindurch das Steinchen reichen und hätte somit zumindest ein bisschen zum Unterhalt seiner Frau und der vielen Kinder, die mit dem aus juristischen Gründen permanent abwesenden Vater als Hypothek leben und aufwachsen mussten, beitragen können. So machte es der Gauner dann, mit schnellen langen Fingern packte er sich so einen Glitzerstein und steckte ihn in seine Manteltasche. Da aber, als er solches getan hatte, öffneten die Ritter die Augen und begannen, sich müde und fragend umzusehen. Den Verbrecher überkam da schreckliche Angst und er rannte schnell wieder durch das Tor hinaus, im Eilmarsch durch den Tunnel, und zurück. Am Ausgangspunkt angekommen zog er wie verrückt am Seil und rief nach oben. Man zog ihn hinauf und befragte ihn. Die von ihm erzählte Geschichte klang aber gar zu fantastisch, und da die Ratsherren ohnehin mehr oder minder nach einer Ausrede suchten, unser Männla hängen zu lassen, sagten sie ihm geradeheraus, dass man ihm kein Wort glaube und darüber hinaus natürlich schwer enttäuscht von so einer dreisten Lüge sei. Da zog der aus der Unterwelt wieder ans Licht Gekommene den Edelstein aus seiner Tasche hervor und hielt ihn den Ratsherren unter die Nase. „Suu! Dou! Schauts!“ („So! Da! Schaut!“). Da mussten sie ihm glauben und die Strafumwandlung ging ihren entsprechenden Gang. Den Stein haben die hohen Herren aber natürlich behalten. So hockte der Verbrecher weiter in seinem Turm und wird unzählige Male von seiner Frau verflucht worden sein. (Scheiden lassen ging damals, vermutet Herr Roland, auch bei solchen Anlässen nicht ohne gewisse Probleme.)

Man erzählt sich, dass man in der Nacht auf den ersten Mai im Schacht des Tiefen Brunnens Pferdegetrappel hören kann. Das ist dann, wie die Sage weiß, der Kaiser Karl, der mit seinen Rittern die Pferde ausreitet und unten im Brunnen trinken lässt.

Irgendwoher will Herr Roland auch eine Geschichte haben, dass einst ein deutsch-böhmischer Privatgelehrter Namens Naihauser die Stadt Nürnberg besuchte, um dort selbst in den Tiefen Brunnen hinunterzusteigen um sich unten (sei es wegen der Sage, sei es aus einer mit Forschergeist bemäntelter Abenteuerlust heraus) im Brunnenschacht näher umzusehen. Ob was draus geworden ist, weiß Herr Roland aber nicht. Und weil man nichts drüber weiß, kann es durchaus sein, dass der Naihauser nur in irgendeiner Nürnberger Bierwirtschaft geendet ist und sich dort den Brunnen noch tiefer gesoffen hat.

Über die Lage des Karlsberges zu Fürth gibt es widersprüchliche Aussagen. Angeblich soll er sich in den Pegnitzauen nahe des heutigen Fürther Stadtparks befunden haben. Alte Karten verzeichnen dort noch einen Hügel namens „Kaiser Karlsberg“. Diesen Hügel gibt es heute aber nicht mehr. Warum auch immer. Manche ganz demokratische und friedliche Geister wollen auch wissen, dass der Karlsberg in Wahrheit genau an der Stadtgrenze gelegen hat bzw. liegt. Ganz sicher beweisen kann man aber auch das nicht. Vielleicht hat man dort auch das Geschäft vom Reifen Werner oder eine Apotheke drübergebaut.

In jedem Fall spannend ist aber noch die Sache mit dem Weltende und des Kaisers Wiederkunft. Wie das wohl ablaufen wird? Und ob sich der große Karl auf die teils durchwachsenen Spielergebnisse vom Club psychisch vorbereitet hat? Man weiß es nicht. Andererseits hat sich ja auch gerade in der Welt des Profisports viel verändert, seit der Karl in seinen Berg gestiegen ist, meint Herr Roland, und somit kann auch gar nicht sicher gesagt werden, ob ihn, den Kaiser Karl, z. B. Fußball im Endeffekt überhaupt interessiert.


Text: R. Roland u. T. Amann

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